Sonntag, 11. April 2010

Dienstag, 9. März 2010

Die Sache mit dem Unfall

Es hat geknallt. Und zwar heftig. Meinen ersten richtigen Autounfall hatte ich also in Goiânia. Und wen wunderts?, so wie die dort fahren…

Autofahren in Goiânia ist grundsätzlich anstrengend und nervenaufreibend. Niemand hält sich anregeln. Straßenbeschilderungen und –markierungen dienen mehr als Aufforderung zum regelbrechen als zur Einhaltung selbiger.
Mit der Zeit habe ich mich jedoch dran gewöhnt. Madrid war ein guter Testlauf, und wenn man auch einfach ohne Angst fährt und immer mit dem schlimmsten rechnet passiert auch nichts. Im Grunde glaub ich sogar dass insgesamt weniger passiert als bei uns, da sich einfach keiner auf irgendwelche Regeln oder Autofahrer verlässt, nicht einmal auf rote Ampeln.

Kurz vor Karneval fuhr ich also mittags ganz normal nach Hause. Amber war zu Besuch und wir wollten zusammen zu Mittag essen.
An einer großen Kreuzung musste ich zwei nordwärts führende Spuren überqueren um nach links, richtung Süden, abzubiegen. Von links kam nur ein Auto. Ein großer, fetter Landrover. Er fuhr auf der rechten Spur, wurde langsamer und blinkte rechts.
Aha, dachte ich, der will hier rechts abbiegen. Wunderbar, dann kann ich ja fahren. Kaum hatte ich jedoch den ersten Gang eingelegt und war gerade einmal 1 Meter vorgerollt, da gab es einen riesigen Knall. Bevor ich wusste wie mir geschah, stand mein Auto schräg, dampfend, aus, und so, wie es vom Fahrersitz aussah, ohne Front mitten auf der Straße.

Für einen Moment wusste ich gar nicht was passiert war, geschweige denn, was ich jetzt machen sollte. Schließlich schaute ich mich um, öffnete meine Tür und stieg, immer noch völlig perplex, aus meinem Auto aus.
Die Front von meinem Auto war im Vergleich zum Rest um ein paar grad verschoben, total verbeult und an allen Ecken und Enden liefen Flüssigkeiten raus. Mein Nummernschild lag mitten auf der Fahrbahn, verbeult, ein Frontlicht war in tausend Scherben zerborsten.
Um mich herum hupten Autos und wollten den Landrover und meinen mickrig, wie eine Schuhschachtel zusammengefalteten Passat passieren und kamen nur schlecht durch.

Eine Frau stieg aus dem Landrover. Sie war in Sportsachen gekleidet (und wie ich annahm unterwegs zum Fitnessstudio, welches man durch rechts abbiegen erreicht hätte, oder aber wenn man die nächste rechts nimmt und ins Parkhaus fährt). Sie hatte das Handy am Ohr, war total ruhig und sprach schon mit ihrem Mann. Ja, die Versicherung hätte sie schon angerufen, da käme jemand. Nein, am Auto sei nix dran. „Ich dachte sie wollen rechts abbiegen… sie haben doch geblinkt!?“ sprach ich sie an. Sie antwortete mir nicht, teilte aber ihrem Ehemann sofort mit dass ich offensichtlich keine Brasilianerin sei. Die Schuldfrage war somit für sie geklärt: Ich komme nicht aus Goiânia, also war es meine Schuld dass sie mir rein gefahren ist. So einfach geht das, in Brasilien. Aber als Ausländer legt man sich ja dann nicht mit der Polizei an, zumal ich versichert bin und das alles bezahlt wird. Verletzt war sie auch nicht. Nicht einmal ihr Auto. Der Landrover, groß und fett wie ein Traktor, hatte nicht mal eine Delle an der Stoßstange, während mein Auto aussah als sei ich mit 80 Sachen ungebremst vor eine Wand gefahren. Wie ich später erfuhr war es wohl ein gepanzerter Landrover mit Stahlstosstange. Das erklärt warum trotz mein Auto trotz unser beider geringen Geschwindigkeiten so hart getroffen wurde und ihr Auto nicht mal einen Kratzer hat. Ich ärgere mich heute sogar ein bisschen, dass ich nicht die Nerven hatte mein Auto zu fotografieren. Ich habe leider gar nicht daran gedacht.

Ich rief als erstes bei mir im Büro an. Netterweise kam Klytya, die bei uns am Empfang sitzt, sofort mit einem Taxi angebraust und regelte alles. Ich stand etwas unter Schock. Zitterte, wusste mein portugiesisch nicht mehr, seltsamer Weise aber sämtliche wichtige Telefonnummern direkt aus dem Kopf.
Unsere Assistentin Saara rief vom Büro aus die Versicherung an, besorgte einen Abschleppdienst.

Die Versicherung der Frau mit dem Landrover kam als erstes. Dann auch ihr Mann. Der Agent machte ein paar Fotos von ihrem Auto, bestätigte dass nichts dran sei, und der Landrover konnte weggefahren werden. Der Mann sagte er mache gutes Business mit der Bayer AG, jaja, kenne er, kenner er. Kein Thema. Nix am Auto. Jaja, Versicherungen austauschen. Passiert. Goiânia halt.

Unter dessen rief ich 5 mal hintereinander zu Hause (in Goiânia) an und hoffte Amber würde drangehen. Tat sie dann auch irgendwann. Ich berichtete ihr und sie war auch etwas geschockt, und wartete dann auf mich zu Hause.

Das Ehepaar fuhr wenig später im Landrover davon und ließ mich, Klytya und den Versicherungsagenten allein um auf den Abschleppdienst und meine Versicherung zu warten. Eine halbe Stunde später trafen diese auch ein und alles war geregelt. Klytya nahm die Sachen aus meinem Auto mit ins Büro (Werbegeschenke, Poster, Banner und Co. welche ich in der Woche vorher nach Rio Verde gefahren hatte) und ich nahm ein Taxi nach Hause.
Eigentlich sollte ich noch zum Arzt, weil mein Auto so krass aussah, aber ich fühlte mich gut körperlich aber mental dermaßen gestresst dass ich nicht noch 2 Stunden im Krankenhaus verbringen wollte. Die Knautschzone hatte ihren Job getan, der Aufprall sah heftig aus, zu spüren gewesen war er aber zum Glück nur minimal. Den Nachmittag hatte mir mein Chef freigegeben, damit ich mich von dem Schock erhole. Da Amber da war, war das auch kein Problem. Wir setzten uns auf den Balkon, bestellten eine Pizza (eigentlich wollten wir ins Shoppingcenter „fahren“ und Sushi essen, aber das war dann ja nicht mehr möglich und Lust hatte ich auch keine mehr) und ich erzählte ihr bestimmt fünf oder sieben Mal den Unfall Hergang und dass ich immer noch nicht verstand, warum die blöde Kuh nicht abgebogen war, und wie mein Auto aussah!

Am Ende kann man sagen: Ich hab echt Glück gehabt. Wenn ich nur schon einen halben Meter weiter vorgefahren gewesen wäre, wäre sie mit ihrer Stahlstoßstange durch die Fahrertür gefahren, das hätte übel ausgehen können. So war es nur ein Blechschaden den die Versicherung ohne Murren bezahlt.
Angeblich auch kein Totalschaden (auch wenn die Versicherung nun schon seit fast 4 Wochen repariert und ich noch nichts davon gehört hab, wann sie endlich fertig sind). Wir werden sehen.

Die Kreuzung meide ich jetzt übrigens.

Montag, 8. März 2010

Die Schönheit, und die brasilianischen Männer

Ich hatte ja, nachdem ich schon über Frauen und ihre Po-Implantate geschrieben hatte, auch versprochen selbiges für die Männer zu tun.
Sicherlich ist es nicht ganz so einfach wie über die Frauen, aber auch die Männer hier fallen in gewisse Klischees, die ich vor allem beim Karneval in Rio beobachten konnte.

First of all: What’s up with those costumes… Da waren beim Karneval doch tatsächlich 70% der Macho-Männer als Frauen verkleidet. Und dann gleich mit Perücken, und Pailletten besetzten Kleidern. Manche sogar mit hohen Hacken, Pumps vom feinsten, wo ich mich doch echt frage warum man sich dass bei 40° und viel Bier antut, wenn man nicht muss. Mir wurde also erklärt, dass die Männer sich Karneval so verkleiden, weil sie sonst nie die Chance haben auch mal die „weiche“ Seite zu zeigen. Das ist in der Macho Gesellschaft nicht geduldet und selbst Karneval nur dann erlaubt, wenn man es total ins lächerliche zieht. Ich fand es einfach nur kurios, und auch ziemlich unsexy, mir betrunkene und meist nicht sonderlich schön gebaute Männer mit Bierbäuche in Miniröcken, falschen Brüsten und bauchfreien Oberteilen anzuschauen.

Aber Karneval in Rio hatte natürlich auch seine guten Waschbrettbäuche, ähm, Seiten. So waren beim Bloco (den Straßenfesten) im Stadtteil Leblon viele besonders schön anzuschauende Männer dabei. Diese allerdings nicht im Frauenkleidern (nicht einmal im Kostüm, denn dafür waren jene jungen reichen Söhne sich zu fein… aber was solls, ich schweife ab und wollte ja auch eigentlich nur gucken und nicht mit diesen Schnöseln feiern…). Also, nicht in Röcken und ausgestopften BH’s kamen jene daher, sondern in Surfshorts und Sonnenbrille. Und sie konnten es sich auch wirklich leisten. Wahrscheinlich gehörten diese Männer zu der Sorte Kerl, die ich auch bei mir im Fitnessstudio beobachten kann. Die sind jeden Tag nach der Arbeit da, machen stundenlang Hantel und Gewichttraining und laufen regelmäßig Marathons auf den Laufbändern. Männer die nie Zeit für Gespräche haben, nie Augen für normale Frauen (nur für die Knackärsche auf denen man ein Bierglas abstellen kann), aber viel Zeit haben für Freizeit, da die meisten von Ihnen irgendwoher Geld haben. Nicht grade die sympathischste Sorte Mann muss ich sagen, aber wenn man mit einer guten Freundin leicht angeheitert bei guter Musik am Strand steht und eben diese Männer im 5-Minuten Takt an einem vorbeilaufen und nicht sehen können wie man sie durch die Sonnebrille anguckt und Noten verteilt, dann sind sie doch herzlich willkommen.
Wir bewerteten Bauch, Arme, Tattoos (Tattoos sind in Brasilien sehr weit verbreitet, darüber evtl. den nächsten Blog Post), Gesicht und wenn wir uns unauffählig hinterher drehen konnten auch den Hintern. Wir verteilten eine Menge guter Noten, vor Allem für die Sixpacks im Taylor Lautner Format, aber leider fielen 80 oder sogar 90% beim Gesicht durch. Angespannt. Hochnäsig. Arrogant. Meist mit Zahnspange.

Okay okay, das war natürlich alles rein objektiv. Naja, subjektiv aber den Mann nur zu einem Objekt machend. Aber die Schönheitsideale machen es einem Mann fast unmöglich normal sympathisch und somit für normale Frauen schön auszusehen. Entweder platzen die Hemden weil die Arme so aufgepumpt, die Brust stolz geschwellt ist. Oder sie platzen vom Bierbauch, der auch sehr häufig vertreten ist (meist so mit 30, wenn dann „endlich“ geheiratet wurde). Und an über 30 jährige mit Zahnspange kann ich mich nicht gewöhnen. Okay, irgendwie klingt das jetzt ein bisschen zu negativ. Zu viele Cowboys in Goiânia… Es ist ja bei den Männern nicht alles verloren, und die vielen nackten Oberkörper waren ja echt schick anzusehen. Aber das Mythos Latin Lover aus Brasilien bleibt mir doch unerschlossen.

Hier meine Tipps für Brasilianer auf dem Weg zur Schönheit.

- Lächeln
- Mund zu beim Kaugummi kauen
- Es im Fitnessstudio nicht übertreiben (nicht nur wg der Muskeln, auch wg der Zeit... jeden Tag 3 Stunden?!)
- Sonnenschutz am Strand nicht vergessen

Frauen empfehle ich übrigens selbiges. Dazu noch: Zeitungen die „Plastica“, „Dieta“ oder „Beleza e Operacao“ heissen, nicht zu kaufen.

Sonntag, 21. Februar 2010

Pictures from Carneval in Rio

Sorry, there are no pics from the "blocos" (the streetparties) but I didn't dare to lose my camera for that... I might get some soon from a friend. :)

Sonntag, 31. Januar 2010

Brasilianer und die Schönheit. Und schöne Brasilianer...

...oder auch nicht.

Die Frauen - Oder: Das Lehrbuch ohne Selbstvertrauen

Die Frauen sind der eigentliche Grund für diesen Post. Das heisst, rückblickend ist wohl der ur-eigentliche Grund mein Portugiesisch Lehrbuch. Lehrbücher für Sprachen, das wissen wir alle, sollen uns nicht nur Grammatik mit auf den Weg geben, sondern uns vielmehr auf eine Unterhaltung in der Sprache vorbereiten. Eine Sprache ist jedoch mehr als Vokabeln, Satzbau und Co., denn eine Sprache ist Ausdruck einer Kultur, ein gewachsener Part einer Gesellschaft der sich von den alltäglichen Gesten, Themen, Lebensweisen eben dieser nicht so einfach trennen lässt. Wie also soll ein Buch so etwas vermitteln?
Im Englischbuch gab es sogar indische Einwanderer (Pallavi Patil und Familie), und natürlich Mini Cooper, Jam und Co. Im Französischbuch wurden wir sogar auf die Tiernamen von beliebten Haustieren aufmerksam gemacht (was bei uns Bello der Hund, sind dort Minnie la souris, Minnouche le chat et Arthuuuuur! Arthuuuuur! Arthur est un perroquet!), und im Spanischbuch wurde erklärt wie Paella gemacht wird.
Selbstvertändlich lässt sich auch mein Portugiesischbuch die mehr oder minder kreativ gestaltete Einführung in die brasilianische Kultur nicht nehmen, jedoch erreicht es mit jeder neuen Geschichte auch einen neuen Tiefpunkt.
In den Geschichten geht es oft um Liebe und Ehe, und sie weisen immer wieder einen gemeinsamen Punkt auf: Die Lateinamerikanische (brasilianische) Frau hat kein Rückrad und kein Selbstbewusstein, soll sich aber selbstlos um den Fernsehenden, arbeitenden, Fussballliebenden Ehemann kümmern, die Kinder großziehen, bloss nicht zu oft den Mann um Geld bitten und niemals aufmucken.
Dies trifft nicht nur genau den eher mild belächelten Stereotyp der Latina auf den Punkt, sondern ist furchtbar langweilig und ärgerlich zu lesen. Ja, es ärgert mich regelrecht. Denn sicher gibt es solche Macho-Mann und Nix-zu-sagen Frauen hier noch zu Hauf, aber man muss es ja nicht auch noch forcieren und überall anpreisen denn den meisten Menschen hier geht es auf den Keks.

Bei der letzten Portugiesisch Stunde ging es also mal wieder um eine solche Geschichte (ein Comic in dem die Frau nach Geld fragt, und der Mann ihr antwortet das "was er ihr letzte Woche gegeben habe für den ganzen Monat hätte reichen sollen". Ich habe darauf hin gesagt, es könne doch nicht sein dass ich ständig solche furchtbar schlechten Stories lesen müsse, und das es doch nicht gut sei den Immigranten und Expats Horrorgeschichten als Alltag vorzulegen, die sich lesen wie eine Kreuzung aus 50er-Jahre Ami-Oberschicht (Mama kocht wie Julia Child, erzieht die Kinder wie Marry Poppins und die Frisur sitzt besser als 3-Wetter Taft es je vollbracht hätte; während Papa dicke Kohle nach Hause bringt) und einer völllig überzogen dargestellten Ruhrpott-Hartz4 Familie wie man sie so oft auf RTL beobachten kann (Macho Mann gut TV, trinkt, lässt die Frau nix entscheiden, trinkt mehr, fährt betrunken Auto, mag Fussball; Frau serviert Bier und Pommes, ist frustriert weil ohne Job, ...)
Meine Portugiesisch Lehrerin, die selbst ein Jahr jünger ist als ich und zuletzt zwei Jahre in Irland gelebt hat, sagte mir sie würde meine europisch-moderne Sichtweise verstehen und sie wolle sicherlich auch nie so leben wie die Leute in diesen Geschichten, aber es sei nunmal auch viel wahres dran auf das man vorbereitet werden müsse. Die meisten Frauen in der brasilianischen Gesellschaft haben nunmal wirklich kein Rückrad, sagte sie (ich widersprach), man würde das ja auch an all den versuchen des jung-bleibens (Schönheitschururgie und Co.) und den vorstellen Hochzeiten sehen (ich widersprach nicht).
Wir waren bei einem Thema angelangt dass ich sonst so nur aus Hollywood kenne. Die meisten Frauen sind operiert oder zumindest mit mehr als nur Make-up aufgehübscht. Die Zähne sind gebleicht, die Haare sind nie echt, das Fett wird abgesaugt, Implantate in alle möglichen Körperteile gesteckt (wer glaubt die Brüste seien das non-plus-ultra hat den Arschbacken Trend eindeutig verschlafen... zumal, falsche Brüste "hat ja jeder") und wer sich das nicht traut oder dafür kein Geld hat verbringt jede freie Minute im Fitnessstudio, im Solarium oder beim Friseur und richtet den Rest mit Fettweghosen und Make-up. Fastzinierender Weise sind auch die Röcke kurz wie Gürtel, die Ausschnitte gehen (selbst im Büro) so weit dass sie fast alles zeigen und die Bikinihosen nicht größer als eine Visitenkarte, zusammen gehalten mit Zahnseide, aber dennoch würde eine Brasilianerin niemals oben ohne am Strand liegen...
Beim Thema Fettweghosen guckte meine Lehrerin schon so als wolle sie mir gleich ein Geheimnis verraten aber sie hielt noch still. Als ich jedoch darauf hinwies, dass ich den Wunsch der Brasilianerinnen, einen Hintern zu haben der zwar fest und nicht zu breit ist, der dafür aber nach hinten rausguckt wie der einer Ente, und auf dem man ein Glas abstellen könnte, musste sie lachen. Ich lachte auch, laut, und erzählte weiter, dass ich ja letztens in der Shoppingmall was gesehen hätte, das würde sie mir nie glauben: Es gäbe Unterhosen mit Silikonkissen im Hintern! Ich fiel fast vom Stuhl vor lachen.
Sie jedoch stand auf und hielt mir ihren Hintern entgegen: "Drück mal drauf!" - "Häh?!" - "Doch, echt, fühl mal... das bleibt aber unser Geheimnis... ich hab sone Hose an. Hab ich sofort gekauft als ich sie gesehen hab. Und son Fettweganzug auch."
Sie würde sich auch operieren lassen, von Kopf bis Fuss, aber sie hätte weder das Geld noch die Traute. (Und an dieser Stelle sei einmal gesagt, dass sie wirklich eine hübsche, niedliche, schlanke 23-jährige ist, seit letzter Woche mit Zahnspange, das hat sie sich dann doch getraut.)

Die Schönheit ist den Brasilianerinnen halt doch das wichtigste, es geht über Gesundheit und Verstand hinaus. Und weit über den Geldbeutel sowieso.
Es kann aber nunmal leider nicht jeder aussehen wir Giselle Bündchen, da hilft es auch nicht sich in deren Klamottengröße wie in Wurstpelle einzuschneidern oder sich gleich den ganzen Körper ummodellieren zu lassen auf das man mit 35 aussieht wie Cher oder Mickey Rourke.

Leider fällt mir grad kein schlauer, abschliessender Kommentar ein, denn ob sich das jemals ändert steht in den Sternen; auch wenn es genug junge Mädchen gibt die davon (jetzt noch?!) so wenig halten wie ich.
Der Post ist jetzt ja auch schon sehr lang... ich werd also das nächste mal über die Männer schreiben (denn auch da gibt es viel zu erzählen...).

Samstag, 23. Januar 2010

Von 0 auf 10km/h in einer Sekunde!

Eckelig. Widerlich. Dreckig. Hässlich. Riesig (bis zu 7cm). Braun. Leider auch fliegend. Und sie legt 30cm in einer Sekunde zurück.

Die Kakerlake.

Ja, ich lebe in den Tropen. Kakerlaken gibt es hier zu hauf, denn sie lieben warme, feuchte Luft und vermehren sich in einer Geschwindigkeit die Karnickel vor Neid erblassen lassen würde.
Zum Glück halten die Viecher sich hauptsächlich in Zuchtbetrieben und Lagerhäusern auf, wo sie alles anfressen können und die meiste Zeit des Tages ihre Ruhe haben (denn sie sind Nacht aktiv). Leider kommt es dennoch vor dass sich mal ein Tier verirrt. Oder sagen wir besser, dass sich einer dieser ekligen, wie Riesen-Maikäfer aussehenden Bakterienschleudern verfliegt. Da kanns auch schonmal der 15. Stock eines Hochhauses sein.

Einmal war eine durchs Flurfenster reingeflogen und sie saß vorm Fahrstuhl als ich nachts nach Hause kam. Sie können ja nicht beissen oder so, und weil drauftreten auch nicht hilft, hab ich sie gepackt und aus dem Fenster geworfen (und selbiges schnell zugemacht). Hände waschen nicht vergessen.

Ein anderes mal saß eine im Schrank des Sekretariats. Pappbecher drüber, Papier drunter, raus ausm Fenster. Und Becher wegschmeissen nicht vergessen.

Eines Nachts, damals schlief ich noch mit offenem Fenster, wurde ich mal von einem lauten bbrrrrrrrrssssssp *gelandet* wach und sah eine Kakerlake an der Wand gegenüber sitzen. Als der erste Schock vorbei war, konnte ich sie jedoch mit ein wenig Aufwand (sie sind rasend schnell) mit einem kleinen Handtuch fangen. Ich wedelte das Handtuch aus dem Fenster aber das Scheißvieh wollte nicht loslassen. Es krabbelte am Handtuch entlang auf meinen Arm zu, so dass ich mich im Halbschlaf total erschreckte und mein schönes Canadiens Habs Handtuch mitsammt der Kakerlake durch den Wind richtung Müllcontainer der benachbarten Baustelle segelte. Ich habe das Handtuch leider nicht wieder gefunden...

Der Hammer allerdings kam gestern. Da fand ich in meiner Lebensmittelschublade in der Mehldose lauter kleine mini Viecher. Ich bin mir nicht sicher was es war. Aber die Angst, dass eine Nachts mal eine Kakerlake durch meine Küche spaziert ist und in der Schublade mit den Gewürzen und Zutaten ein paar Eier abgelegt hat war auf einmal so groß dass ich in Windeseile alles mit fast kochendem Wasser und Spülli ausgewischt hab, alles weggeschmissen hab (meine armen schönen Brotbackmischungen die ich extra aus D-Land eingeflogen hab). Dann hab ich das Familien freundliche Spray genommen und alles eingesprüht, Tür zugemacht, bin zu Carrefour gefahren und hab das richtig giftige Zeug und eine Menge Lauffallen gekauft (Panik-Hamsterkäufe...), sowie eine Fertiglasagne weil meine Idee ein frisches Brot fürs Abendbrot zu backen sich ja grad verabschiedet hatte und ich mich sorgte dass ja die Küche jetzt auch überall mit Gift besprüht ist und ich vor einem Großputz dort nichts zu essen mehr ablegen wollte.
Ich hab mich etwas schlecht gefühlt dabei, so viele Lebensmittel wegzuschmeissen, Mehl, Zucker, Salz, und andere Grundnahrungsmittel. Aber die Tatsache dass Kakerlaken und andere tropische Parasiten (ich weiss ja nicht was es genau war, hauptsache es ist jetzt tot!) hier Krankheiten von Hepaitits über Cholera und Typhus bis hin zu Kinderlämung verbreiten (von den Standard-Ekel-Infekten mal abgesehen)ekelte mich so dermaßen, dass ich nichts mehr davon anfassen wollte.

Heute ist also Küchengrossputz angesagt. Ich muss gleich mal zum Supermarkt und Putzalkohol und Plastikhandschuhe kaufen und dann gehts los. Denn mit dem Gitft hier ist nicht zu spaßen und so ein Spray dringt, zu Mindest in meiner Vorstellung, in alle Ritzen. Widerlich.

Aber gut, so sind sie halt. Die Tropen. Es gäbe schlimmeres. Schlangen im Sojafeld zum Bsp machen mir mehr Angst wenn ich durch selbige stapfe, oder auch Leoparden und Anacondas die in den "Reservas Legais", also den gesetzlich vorgeschriebenen unberührten Waldstücken leben die zwischen Flussläufen und Feldern stehen und somit dafür sorgen dass in der Regenzeit das Ufer nicht einbricht und weggeschwemmt wird und somit über kurz oder lang das beackerte Land abträgt. Solche sind mir aber noch nicht begegnet. Nur ein paar Äffchen konnte ich mal am Rand vom Wald beobachten. und die sind mir definitiv lieber als fliegende Kakerlaken...